Zu Besuch in der Selbsthilfegruppe für Glücksspielsüchtige

Hallo Leute,

Wir waren zu Besuch in Annes Selbsthilfegruppe für Spielsüchtige. Die Mitglieder treffen sich jeden Mittwoch von 19:15-20:30 Uhr in den Räumlichkeiten der Lebenshilfe Herne, Viktor-Reuther-Straße 19-21, 44623 Herne. Die Gruppe besteht aus Anne, der Leiterin, und 5 männlichen Teilnehmern. Gerne kannst du auch vorbeikommen, wenn du Hilfe und Unterstützung suchst!

Damit wir die Betroffenen kennen lernen konnten, haben sie uns ihre Geschichte erzählt. Das klingt erst einmal nach dem typischen Klischee einer Selbsthilfegruppe: „Ich heiße…, ich bin … Jahre alt und ich bin spielsüchtig“. Totaler Blödsinn! Die Teilnehmer kennen sich und die jeweiligen Geschichten. Die Geschichten sollen für uns Außenstehende eine Hilfe sein, damit wir verstehen, worüber die Betroffenen reden. Was uns direkt aufgefallen ist, war das lockere und freundschaftliche Verhältnis zu einander. Man merkte, dass die Gruppemitglieder totales Vertrauen zu einander haben und sie sich gegenseitig stützen. Es wurde viel gelacht und es wurden Späße gemacht. Die Betroffenen hatten ganz unterschiedliche Biografien. Sie erzählten, wie sie spielsüchtig wurden, was sie spielen und was sie dazu gebracht hat, gegen ihre Sucht zu arbeiten und Unterstützung in der Selbsthilfegruppe zu finden. Die Teilnehmer sind sich einig, wenn sie sagen, dass es wichtig ist, sich immer kleine Ziele zu setzen, um Erfolgserlebnisse zu spüren. Ein Betroffener sagte, dass er sich jede Woche erneut vornimmt, mittwochs sagen zu können: „Ich habe diese Woche wieder nicht gespielt, ich bin stark geblieben!“

Die Selbsthilfegruppenteilnehmer tauschen sich über ihre Gefühle und Erfahrungen aus und suchen untereinander Rat. Die Betroffenen haben uns Laien erklärt, wie sich die Spielsucht anfühlt, die ja nicht die klassische substanzbezogene Sucht (Alkohol, Drogen, Medikamente…) ist. Es ist alles Kopfsache. Das größte Problem beim Spielen ist, dass man nicht aufhören kann. Betroffene wissen, dass es ihnen schadet, aber sie können es nicht stoppen. Man denkt täglich darüber nach, wann man wieder spielen kann, freut sich auf die Geräusche der Automaten, auf die hellen funkelnden Lichter und auf das kurze Glücksgefühl. „Du blendest alles aus, siehst nur dich und den Automaten.“ Anschließend ist ein Gefühl der Leere wahrnehmbar. Gleichzeitig ziehen sich Sorgen durch den Alltag: Wie komme ich an Geld? Wie bezahle ich meine Miete und meine Lebensmittel? Wann und wo kann ich wieder spielen? Und vor allem: Was sagt mein Umfeld dazu, wenn die Sucht rauskommt? Bei den meisten Teilnehmern war übrigens die Familie oder der Freundeskreis der Ansporn, sich der Sucht zu stellen. Sie wurden bewusst unter emotionalen Druck gesetzt.

Obwohl viele stark sind und nicht mehr spielen, ist der Rückfall ein großes Thema. Man kann nicht einfach von heute auf morgen mit dem Spielen aufhören, wenn man süchtig ist. Neben der Verzweiflung und dem Drang nach erneutem Spielen stehen Sorgen im Vordergrund: „Was wird meine Frau sagen?“ – „Wie reagieren meine Eltern, meine Freunde, meine Familie?“ – „Aber am stärksten ist die Wut, dass du dich selbst enttäuscht hast und deine Ziele nicht erreichen konntest“.

Die Treffen der Gruppe dienen dazu, Gleichgesinnte zu finden – Menschen, die die gleichen Sorgen und Ängste haben. Es werden Ratschläge verteilt und eigene Bewältigungsstrategien entwickelt. Die Teilnehmer tauschen Telefonnummern von Beratungsstellen, Therapieeinrichtungen oder Psychologen aus und schildern Erfahrungen mit solchen Einrichtungen. Die Mitglieder entlasten sich gegenseitig und haben wegen der gemeinsamen Betroffenheit ein offenes Ohr für die Sorgen der Mitstreiter. Durch die Zusammenarbeit an den gemeinsamen Zielen ist die Gruppe zusammengewachsen. Die Betroffenen finden so neue Kraft und Mut, dass sie die Folgen des jahrelangen Spielens selbstverantwortlich tragen können. Sie finden wieder Selbstbewusstsein und sind entschlossen, sich ein neues Leben OHNE SPIELEN aufzubauen. Sie wollen sich SELBST helfen.

Na, neugierig geworden? Vielleicht kann dir die Gruppe genauso helfen, wie den Teilnehmern. Probiere es aus, komm Mittwochabend vorbei und mach dir ein eigenes Bild. Die Mitglieder freuen sich auf neue Gesichter und spannende Storys!

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#helpyourself! #Sucht? #Hilfe!

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